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09
Feb
12

Bericht über die 16. Sitzung der Enquete-Kommission „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“

(c) Deutscher Bundestag / Lichtblick/Achim Melde

Am vergangenen Montag fand die 16. Sitzung der Enquete-Kommission „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“ statt. Im Mittelpunkt der Sitzung stand diesmal das Thema "Möglichkeiten und Grenzen zur Steigerung der Ressourceneffizienz". Referenten waren dabei Prof. Dr. Reinhard Hüttl, Vorsitzender von acatech - der deutschen Akademie der Technikwissenschaften, Friedel Hütz-Adams vom Südwind-Institut sowie Prof. Dr. Ernst-Ulrich von Weizsäcker, ehemaliger Präsident des Wuppertal-Instituts für Klima, Umwelt und Energie.

Den Auftakt machte Reinhard Hüttl, der in seinem Vortrag zunächst deutlich machte, wie stark in den kommenden Jahren weiter Rohstoffe nachgefragt werden. Für Hüttl ist dabei die „Ressourceneffizienz das Paradigma um zur Nachhaltigkeit zu gelangen“. Als Schlussfolgerung aus der sich zuspitzenden ökologischen Krise plädierte er für den Ausbau von Zertifizierungssystemen, mit welcher der Verlagerung ökologischer Belastungen in andere Länder entgegen gewirkt werden könne. Dadurch könne man etwa am besten sicherstellen, dass etwa in jenen Staaten die Biomasse wie Holz exportieren, zukünftig stärker auf Umweltstandards geachtet wird.

Ernst-Ulrich von Weizsäckers Hauptthese war, dass eine Verfünffachung der Rohstoffproduktivität und eine Abkoppelung des Ressourcenkonsums von der Steigerung der Wirtschaftsleistung technisch bereits jetzt möglich sei, dies bislang aber kaum stattfinde. Nötig sei es daher noch stärker auf die Innovationskraft der Unternehmen zu setzen, welche der Staat etwa durch eine langsame Veränderung des Preisgefüges für Ressourcen zusätzlich anreizen könnte. Auf diesem Wege, so von Weizsäcker, könnte auch dem Rebound-Effekt begegnet werden, wenn nämlich die Erhöhung der Energiepreise exakt der Erhöhung der Effizienz folgt.

Zuletzt machte Friedel Hütz-Adams deutlich, dass der reduzierte Ressourcenverbrauch in Deutschland, mit einer Verlagerung ins Ausland einhergeht. Für importierte Halb- oder Fertigwaren würden am Herstellungsort oft mehr Rohstoffe benötigt als hierzulande. Dieses System habe dabei auch deshalb bislang so gut funktioniert, weil die Lieferketten internationaler Konzerne meist vollkommen intransparent sind. Verbraucher haben gar keine Chance faire Produkte zu wählen, wenn es über ihre jeweiligen Produktionsbedingungen keine Informationen sind.

Dies wiederum sei aber nicht bloß der Komplexität moderner Handelsbeziehungen geschuldet, so Hütz Adams weiter, sondern auch politischer Entscheidungen: Er verwies dazu auf das Verhalten des Bundeswirtschaftsministeriums, welches  in europäischen Verhandlungen als Bremser einer Transparenzinitiative für Finanzflüsse in Rohstoffgeschäften auftritt.

Die nächste Sitzung der Kommission wird am Montag, den 27. Februar 2012 stattfinden. Wir werden uns dann mit dem Zwischenbericht aus der Projektgruppe 2 beschäftigen, in der es um die Entwicklung eines ganzheitlichen Wohlstands- bzw. Fortschrittsindikators geht. Es wird dann auch wieder die Möglichkeit geben, den Verlauf der Enquete online live zu kommentieren. Im Anschluss der Sitzung findet ein Internet Chat mit der Vorsitzenden der Kommission Daniel Kolbe (SPD) und der Projektgruppenvorsitzenden Stefanie Vogelsang (Union) statt.

Interessierte Besucher können sich im Sekretariat der Kommission (enquete.wachstum@bundestag.de) unter Angabe des Vor- und Nachnamens und des Geburtsdatums anmelden. Zur Sitzung muss der Personalausweis mitgebracht werden.

Stellungnahme von Prof. Dr. Ernst-Ulrich von Weizsäcker

Stellungnahme von Friedel Hütz-Adams

Weitere Informationen zur Enquete-Kommission "Wachstums, Wohlstand, Lebensqualität"